Singer-Songwriter – was genau bedeutet das?

14. Januar 2012

Musikstilrichtung

Schon der Name deutet an, was ein Singer-Songwriter ist: Ein Künstler, der seine Musik nicht nur selbst schreibt, sondern auch singt und sich selbst dabei begleitet. Dennoch ist sicherlich nicht jeder Künstler, der dies tut, gleich ein Singer-Songwriter. Das Phänomen ist also schwerer zu fassen, als es auf den ersten Blick erscheinen mag.

Weitere Merkmale eines Singer-Songwriters

Um tatsächlich zweifelsfrei in dieses Genre zu passen, ist wohl auch der Musikstil wesentlich. Ein “klassischer” Singer-Songwriter ist in den meisten Fällen (wenn auch nicht ausschließlich) dem Folk zuzuordnen. Es ist also eher ruhigere Musik, mit dem die Künstler ihr Publikum unterhalten. Begründet ist dies sicherlich auch in der Tatsache, dass Singer-Songwriter Geschichten zu erzählen haben. Diese können sowohl von persönlichen Erlebnissen als auch von gesellschaftlichen Missständen handeln. Natürlich gibt es auch sehr poetische Musiker, deren Texte nur schwer zugänglich und symbolisch aufgeladen sind, gemeinsam ist jedoch allen, dass sie Wert darauf legen, dem Publikum etwas mitzuteilen. Das klassische Instrument der Singer-Songwriter ist die Gitarre. Auch wenn die meisten Stücke nicht schwer zu spielen sind, sind sie melodisch und prägen sich leicht ein. Im Vordergrund steht fast immer der Künstler mit seiner Stimme und dem Inhalt seines Textes. Häufig führen die Aussagen des Musikers fast unmittelbar zu Beifallsbekundungen oder Missfallensäußerungen des Publikums. Dies ist von den meisten Singer-Songwritern durchaus gewünscht: Sie wollen zur Diskussion anregen und polarisieren, ohne Wert darauf zu legen, mit populärer Musik zu konkurrieren.

Bob Dylan als Prototyp

Natürlich ist das grundsätzliche Setting (Musiker singt eine Geschichte und begleitet sich dabei selbst) wohl das älteste in der Musikgeschichte. Der Begriff Singer-Songwriter ist jedoch mit ungefähr 50 Jahren noch verhältnismäßig jung. Maßgeblich geprägt wurde er vom jungen Bob Dylan, der wie kaum ein anderer die Singer-Songwriter-Szene prägte und zahlreiche nachfolgende Künstler inspirierte. Auch wenn es zu dieser Zeit eher der Regel entsprach, dass große Hits von Songwritern geschrieben wurden und von guten Sängern präsentiert wurden, war Bob Dylan natürlich nicht der Einzige, der eigene und ernsthafte Lieder sang. Auch Woody Guthrie und Pete Seeger wären dem Genre zuzuordnen, allerdings waren sie niemals so populär, wie Dylan es später wurde. Dass Dylan teilweise bewusst in ihrer Tradition sang, wird häufig vergessen. Seinen Erfolg hat er sicherlich zumindest in Teilen der Tatsache zu verdanken, dass er zur richtigen Zeit am richtigen Ort war. Die Flower-Power-Generation suchte Menschen wie ihn, der politische Inhalte auch musikalisch transportierte und Hoffnung und Wandel versprach.

Das Genre heute

Leider ist mit den 70er Jahren auch die Zeit der populären Singer-Songwriter weitestgehend vorüber. Die meisten sind mehr oder weniger dahin zurückgekehrt, wo sie auch ursprünglich erfolgreich waren, nämlich in kleine Clubs und Kneipen. Dennoch ist die Singer-Songwriter-Szene nach wie vor aktiv und ab und an gelingen einem von ihnen auch größere Erfolge in den Charts. Milow ist ein Beispiel aus jüngerer Vergangenheit. Zahlreiche Lieder von Bob Dylan, Tim Buckley, Leonard Cohen oder von Künstlerinnen wie Carole King, Joni Mitchell oder Tracy Chapman werden aber wohl noch lange im kulturellen Gedächtnis verweilen.

Urheber Foto: Brian Weed – Fotolia

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